Religionen tragen Verantwortung für den gesellschaftlichen Frieden, so das Fazit einer Tagung des European Council of Religions Leaders ECRL und des Schweizer OSZE-Vorsitzes zur Rolle des interreligiösen Dialogs inmitten der Umbrüche in Europa. Unter anderem verabschiedeten die Tagungsteilnehmenden eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt.

“Es gibt keine Alternative zur interreligiösen Zusammenarbeit in der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden. Religionen müssen gemeinsam wachsam sein, nicht politisch missbraucht zu werden. Für den Frieden in Europa ist es entscheidend wichtig, dass die Religionen miteinander, nicht nur übereinander sprechen. Das ist die Idee hinter der Veranstaltung heute – und das ist die Idee des ECRL”, so Thomas Wipf, Moderator des European Council of Religious Leaders ECRL, gestern in Genf.

“Welche Rolle, welche Vorbildfunktion können die Religionen übernehmen, wenn es darum geht, die Gesellschaft zusammenzuhalten?”, so Wipf zum Thema der heutigen öffentlichen Podiumsveranstaltung. Der ECRL hatte dazu gemeinsam mit dem Schweizer Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE und dem Ökumenischen Rat der Kirchen ÖRK in das Ökumenische Zentrum nach Genf geladen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme riefen die Mitglieder des ECRL die Konfliktparteien in der Ukraine zum Frieden auf: “Wir appellieren, dass die Waffen niedergelegt werden, bevor der Konflikt in einen Bürgerkrieg mündet. Wir rufen alle Seiten dazu auf, den Weg des Dialogs zu wählen, statt sich in Hass und Gewalt zu ergehen.” Es gelte, politische Lösungen zu finden: “Wir rufen alle Parteien auf, weise zu handeln und jegliche Eskalation zu vermeiden.”

Wipf: “Als Christen, Juden, Muslime und andere Religionen tragen wir Verantwortung für unsere Gesellschaft. Der ECRL ist der repräsentativste Ort interreligiöser Zusammenarbeit in Europa. Er arbeitet für die friedliche Zusammenarbeit der Religionen in ganz Europa, setzt sich für Konfliktprävention und Versöhnung ein. Nun gilt es, die heute gefassten Impulse in unsere Länder zu tragen.”

Die Bedeutung des interreligiösen Dialogs in gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterstrichen der Vertreter des OSZE-Vorsitzes Konstantin Obolensky, der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen Olav Fykse Tveit und der Präsident des Schweizerischen Rates der Religionen SCR Hisham Maizar. Die Religionsgemeinschaften können Europa helfen, seine Seele zu entwickeln, so Katharina von Schnurbein, Beraterin der Europäischen Kommission in Religionsfragen. Interreligiöse Zusammenarbeit ist entscheidend wichtig für gesellschaftliche Versöhnungsprozesse, berichtete Jasna Dobricik aus ihrer Arbeitserfahrung. Dobricik ist für die OSZE im Kosovo im Einsatz. Weitere Podien befassten sich mit dem “Zankapfel” Religion im öffentlichen Raum sowie mit der Frage nach dem Stand der gesellschaftlichen Akzeptanz des religiösen Pluralismus unter den Europäerinnen und Europäern.

Der European Council of Religious Leaders ECRL ist eine Plattform von rund 45 Religionsführenden aus dem Judentum, Christentum und Islam, dem Buddhismus und Hinduismus sowie der Sikh wie der Zoroastrier aus ganz Europa. Der Rat engagiert sich für den religiösen Frieden inmitten des multikulturellen und multireligiösen Europas. Seit 2012 wird der Rat durch Moderator Thomas Wipf, dem ehemaligen Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa sowie des Schweizerischen Rates der Religionen, geleitet. Der ECRL ist anerkannt durch die Europäische Union, den Europarat und die OSCE. Der ECRL ist Teil des Netzwerks Religions for Peace. Die Geschäftsstelle des ECRL unter der Leitung von Generalsekretär Stein Villumstad befindet sich in Oslo.